"Mein bestes Werk ist mein Leben"
Konzert zu Leben und Werk von Simone de Beauvoir

Dem Leben entrissen      Dienstag, 9. September 2008 NKl04

KONZERT. Das GedoK Ensemble Köln beschäftigte sich szenisch und musikalisch mit Simone de Beauvoir.

ANDREAS DAAMS KLEVE.

Das exzellente Programm der Städtischen Konzerte begann am Sonntag mit einem Konzert des Kölner Ensembles in der kleinen Kirche an der Böllenstege. Das erfreulich zahlreiche Publikum zeigte sich am Ende des Konzertes über alle Maßen begeistert. Und das nur allzu berechtigt.

Sechs fantastische Musikerinnen (Irene Kurka, Dorrit Bauerecker, Christina C. Messner, Inka Ehlert, Lucia Mense und Anette Maye) spielten sich in kleinen Szenen durch Leben und Werk der Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir. Die wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Christina C. Messner hatte Textfragmente zu eindringlichen Musikminiaturen verarbeitet und mit zeitgenössischen Chansons, Jazzstücken und Kunstliedern angereichert. Dass sie zugleich als Komponistin, Violinistin und Jazz- Röhre agierte, war schon erstaunlich genug. Mit Irene Kurkas vielseitiger Sopranstimme und kleinen mimisch -schauspielerischen Einlagen (dramaturgische Beratung: Gisela Marx) entstand so etwas wie ein Gesamtkunstwerk mit ganz eigenem Charme.Manchmal bleibt von einem Leben eben mehr als das Gerücht, es habe stattgefunden. Man kann es anzapfen, ihm seine Besonderheiten entreißen. Simone de Beauvoir hat dies in einigen ihrer autobiographischen Schriften getan, und Christina C. Messner hat eine Art akustisches Panoptikum daraus destilliert. Transparent und konzentriert. Dabei setzte sie die ganze Bandbreite neuerer kompositionstechnischer Ausdrucksmöglichkeiten ein, jedoch derart transparent und konzentriert, dass auch Zuhörer, denen Neue Musik eher fremd ist, sich mühelos einfinden konnten. Tröpfeln und Rauschen, Hauchen und  Klappern, Flüstern und Schreien - alles stand im Dienst der Verdeutlichung.Die aparte Besetzung (Akkordeon, Violine, Cello, Blockflöte und Klarinette) bewährte sich übrigens auch bestens bei den Jazzeinlagen. Hilfreich war überdies, die Szenen stets auf einen thematischen Schwerpunkt zu begrenzen und diesen dann mit sparsamen Requisiten auszuleuchten. Ob einem Simone de Beauvoir nun liegt oder nicht - aufregend und unterhaltsam war dieses Konzert allemal.

Lebensläufe

Irene Kurka erhielt ihre Gesangsausbildung an der Musikhochschule München, an der    Meadows School of the Arts, SMU, Dallas/U.S.A.und an der University of British Columbia, Vancouver/Kanada. Die vielseitige Sopranistin wurde mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Irene Kurka singt die Sopranpartien der großen barocken Oratorien und Passionen. Auch in der zeitgenössischen Musik ist sie eine gefragte Sängerin. Zahlreiche    Komponisten (Eggert, Denhoff, Heucke, Kampe, Beuger u.a.) schreiben und widmen ihr Stücke, nicht zuletzt für CD- und Rundfunkaufnahmen. Irene Kurka war als Solistin zu Gast bei zahlreichen Festivals u.a. Muziek Biennnale Niederrhein, scene österreich in nrw, Super Nova in der Tonhalle Düsseldorf, A.DEvantgarde-Festival München. www.irenekurka.de. www.zeitgenössischeslied.de

Die Blockflötistin Lucia Mense erhielt ihre musikalische Ausbildung an den Musikhochschulen Köln, Amsterdam und Mailand. Als Solistin und als Mitglied verschiedener Ensembles widmet sie sich sowohl dem traditionellen Repertoire des Mittelalters, der Renaissance und des Barock, als auch der zeitgenössischen Musik. Sie konzertiert als Mitglied verschiedener Kammermusikensembles und Orchester. Die Interpretation Neuer und Neuester Werke zählen hier ebenso zu ihrem Tätigkeitsfeld wie die Improvisation. Sie war zu Gast bei zahlreichen internationalen Festivals und an CD und Radio-Produktionen beteiligt z.B. bei Ars Musici, Mode Records New York, Touch Records London, und River Records Los Angeles. www.luciamense.de

Dorrit Bauerecker studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hannover und der Staatlichen Hochschule für Musik Köln, wo sie 2001 ihr künstlerisches Diplom erhielt. Ihr Engagement im Bereich Neue Musik führte zu Auftritten bei renommierten Festivals z.B. bei den Donaueschinger Musiktagen oder den Wittener Tagen für Neue Musik 2005. Dorrit Bauerecker ist seit 1999 Musikerin und Arrangeurin der Theatergruppe “Generationenkomplott“ und mit mehreren literarisch-kabarettistischen Programmen deutschlandweit unterwegs. Außerdem ist sie Gründungsmitglied des Salonsextetts „Die Rheinsirenen“. Seit 2006 ist sie zudem freie Autorin für die Musikzeitschrift „Keyboards“. www.dorritbauerecker.de

Annette Maye absolvierte nach ihrem Studium der Osteuropäischen Geschichte, Musikwissenschaft und Slawistik von 2001 bis 2005 ein Klarinettenstudium an der Kölner Musikhochschule bei Claudio Puntin und Frank Gratkowski (Jazz). Dort besuchte sie auch den Improvisationsunterricht von Paulo Alvares. Als ERASMUS-Stipendiatin studierte sie in den Jahren 2004/2005 am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse in Paris. Mit dem Perkussionisten Murat Coskun gründete sie 1995 das Oriental Jazz-Ensemble „FisFüz“, gewann mit dieser Formation den 1. Preis des SWR-Weltmusik-Wettbewerbes. Die Beteiligung an weiteren preisgekrönten Ensembles führte Annette Maye durch zahlreiche Länder quer durch alle Kontinente. www.annettemaye.de

Christina C. Messner studierte Violine bei Prof. Max Speermann (Bartholdy-Quartett) und Komposition bei Prof. Christoph Wünsch in Würzburg. Zusätzlich erhielt sie eine Ausbildung in Improvisation bei Harald Kimmig in Freiburg. Christina C. Messner realisierte zahlreiche Projekte und Konzerte im Bereich Neue Musik, Performance und Improvisation und arbeitete mit namhaften Künstlern zusammen. Seit 1994 werden die Kompositionen von Christina C. Messner aufgeführt, unter anderem im Konzerthaus Berlin, bei der „Muziek Biennale Niederrhein“, Residenz Würzburg oder anlässlich des Erft-Kreis-Zyklus im Schloss Frens. Christina C. Messner erhält Aufträge für Multi-Mediale Gesamtkunstwerke, Kammermusik oder Orchesterwerke.

Inka Ehlert – Violoncello, studierte Violoncello bei Prof. Anne-Marie Dengler-Speermann (Bartholdy-Quartett) in Würzburg. Sie erweiterte ihre Ausbildung durch die Teilnahme an internationalen Meisterkursen bei Prof. Siegfried Palm, Hans-Erik Deckert (Dänemark), Wolfgang Gröger (Deutsche Oper, Berlin) und Menachem Pressler (Beaux Arts Trio, USA). Nach dem Studium gründete sie das Kölner Klaviertrio „Trio Cascades“. Neben der Konzerttätigkeit im Trio und in anderen Kammermusikbesetzungen wirkte Inka Ehlert bisher an zahlreichen CD-Produktionen mit. Tourneen führten Inka Ehlert durch zahlreiche Länder Europas. www.trio-cascades.de

Alle Musikerinnen sind Mitglied der GedoK Köln

Hörbeispiele

toute petite enfance

poulenc

la cage

ol man river

le mot

le deserteur

le rien 1

le rien 2

milhaud

C. C. Messner Ensemble

Irene Kurka - Sopran

Lucia Mense - Flöten

Annette Maye - Klarinetten

Dorrit Bauerecker - Akkordeon, Klavier

Christina C. Messner - Violine, Stimme

Inka Ehlert - Violoncello

interdisziplinäres Konzert

Die vom Landesmusikrat NRW geförderte moderne szenische Komposition„vivre d’abord“ für Sopran und Ensemble von Christina C. Messner steht im Zentrum des Konzertprogramms. Sie wird ergänzt durch Musik von mit Beauvoir bekannten Komponisten und Sängern wie Francis Poulenc, Darius Milhaud, Juliette Greco und Boris Vian sowie Improvisationen über Themen des Jazz.

Für die Komposition wurden Textfragmente aus dem biographischen Werkvon Simone de Beauvoir zu „eindringlichen Musikminiaturen“verarbeitet und in reduzierter Form szenisch gestaltet.„Dabei setzte C.C. Messner die ganze Bandbreite neuerer kompositionstechnischer Ausdrucksmöglichkeiten ein, jedoch derart transparent und konzentriert, dass auch die Zuhörer, denen Neue Musik eher fremd ist, sich mühelos einfinden konnten.“

Die sechs Musikerinnen präsentieren verschiedene biographische Themenkreise wie das streng katholische Elternhaus, die Beziehung zu Sartre, die Angst vor dem Altern, die Liebe zum Reisen und das Leben in Cafés durch die unterschiedlichen Musikstile: Die moderne Komposition, die Lieder, Chansons und die Improvisationen, die sich wiederum zu einer Hommagean die „klügste Frau des letzten Jahrhunderts“ und Grande Dame der Frauenbewegung ergänzen, zu einem „Kunstwerk mit ganz eigenem Charme"(Zitate aus: A.Daams NRZ, 9/2008)